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Lauterbach, 22.01.2013
Hans-Jürgen Schütz erhält erneut das Vertrauen."Wir sind da angekommen wo wir hinwollten", erklärte der frisch gewählte stellvertretende Stadtbrandinspektor Jürgen Eifert. Der alte ist der neue Stadtbrandinspektor – Wehrführer Jürgen Eifert mit 100 Prozent zum Stellvertreter gewählt. Anfang Dezember war in einer gemeinsamen Versammlung der Feuerwehren der Stadt Lauterbach der seit zehn Jahren amtierende Stadtbrandinspektor Hans-Jürgen Schütz abgewählt und der Stadtjugendfeuerwehrwart Oliver Jäger zu seinem Nachfolger bestimmt worden. Jetzt wurde Schütz in einer außerordentlichen Versammlung doch wieder zum Stadtbrandinspektor gewählt.

Wegen fehlender Qualifikationen hatte Jäger die Position nicht bekleiden dürfen. Er war daraufhin zurückgetreten, sodass der Magistrat den seitherigen Stadtbrandinspektor bat, das Amt zunächst kommissarisch wieder zu führen. Nach zahlreichen Sitzungen der Wehrführer unter anderem auch mit dem Magistrat wurde  die außerordentliche Versammlung aller Feuerwehren der Stadt in der Feuerwache  anberaumt. Einzige Tagesordnungspunkte waren die Neuwahl des Stadtbrandinspektors und Wahl eines Stellvertreters.

Hans-Jürgen Schütz eröffnete die Versammlung, zu der 121 aktive Feuerwehrkameraden erschienen waren und begrüßte besonders Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller, Stadtverordnetenvorsteher Lothar Pietsch, Ersten Stadtrat Horst Hennenberg sowie Ralf Krömmelbein und Claudia Östreich vom Ordnungsamt, die wenig später den Wahlausschuss bildeten.

Überraschende Kandidatur
Vollmöller ging kurz auf den Ablauf der Sitzung vom 19. Dezember ein und stellte fest, dass es zur Wahl von Oliver Jäger zum Stadtbrandinspektor wegen nicht ausreichender Qualifikation einen Widerspruch gab. Es gab auch Schriftverkehr mit dem Gemeinde- und Städtetag, vor allem, weil Jäger seinen Rücktritt widerrufen hatte, was nach den hessischen Bestimmungen zum Kommunalwahlrecht nicht möglich ist. Die Aufsicht baute zusammen mit dem Bürgermeister und den Wehrführern eine Brücke für Jäger. Danach sollte er in einer Übergangsfrist die entsprechenden Lehrgänge nachholen und Schütz, der für das Amt weiterhin zur Verfügung steht, erneut gewählt werden, wobei Jäger als Stellvertreter amtieren sollte. Der Bürgermeister informierte den Magistrat, der für eine einvernehmliche Lösung eintrat. In die Gespräche mit Schütz war auch sein am 19. Dezember zurückgetretener Stellvertreter Albert Brähler eingebunden, dem der Bürgermeister unter dem Beifall der Feuerwehrkameraden für sein Engagement dankte.

Zur allgemeinen Überraschung erklärte kurz vor der Wahl Oliver Jäger seine erneute Kandidatur. In einer kurzen, aber heftigen Diskussion wurden die fachliche  persönliche  Qualifikation, aber auch die Glaubwürdigkeit von Jäger angezweifelt und die von ihm geäußerten „Heckenschützenaktivitäten“ als unwahr entlarvt.   

Die Wehrführer schlugen einstimmig Hans-Jürgen Schütz für das Amt des Stadtbrandinspektors vor. Der Bürgermeister räumte beiden Kandidaten eine kurze Erklärung zur bevorstehenden Wahl ein. Jäger lobte die Führung der Lauterbacher Wehr für ihre zukunftsorientierten Entscheidungen und dass in technischer Hinsicht die Feuerwehren gut aufgestellt seien. Er stellte aber auch fest, dass der Zusammenhalt in den einzelnen Löschzügen schlecht sei, was heftige Kritik der Aktiven zur Folge hatte. Den Austritt aus dem Kreisfeuerwehrverband hält er für falsch.

Schütz stellte fest, dass im Vorfeld der Wahl schon im Dezember Stimmung gegen ihn gemacht worden sei. Dann erinnerte er an die Ausgangslage: Die Umstrukturierung der Lauterbacher Feuerwehren sei auf zehn Jahre ausgelegt gewesen und war zukunftsweisend. Ziel war unter anderem, die Eigenständigkeit der Wehren zu erhalten, was gelungen ist. Die technische Ausrüstung und die Feuerwehrgebäude seien auf dem neuesten Stand und der Bedarfsplan ist zufriedenstellend abgeschlossen. Die Politik hat diesen Weg mitgetragen. „Wir verwalten heute Millionenwerte“, stellte Schütz fest.

Freude über Vertrauen
Großen Anteil an der Entwicklung habe sein Stellvertreter, Tony Michelis, der durch sein geschicktes Taktieren der Stadt viel Geld erspart hat. Er gab noch einige Projekte bekannt, die vor dem Abschluss stehen. Der neue Stadtjugendfeuerwehrwart Jörg Blankenburg arbeite hervorragend. Den Graben zwischen dem Kreisfeuerwehrverband habe er versucht, nicht größer werden zu lassen. Die Frage eines Beitritts ist offen. „Wir sind wer und ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben“, stellte Schütz fest.

Bei der geheimen Wahl entfielen auf Hans-Jürgen Schütz 93, auf seinen Gegenkandidat Oliver Jäger 22 Stimmen. Sechs Stimmen waren ungültig. Mit dem Ausspruch: „Heute Nacht schlafe ich gut und fest“, bedankte Schütz sich für den Vertrauensbeweis. Der Bürgermeister wünschte dem alten und neuen Stadtbrandinspektor eine verlässliche Gesundheit. Das gute Ergebnis hat ihm starken Rückenwind beschert. Die Wahl des Stellvertreters, Wehrführer Jürgen Eifert (Frischborn), erfolgte per Akklamation, Eifert erhielt alle 121 Stimmen. „Wir sind da angekommen, wo wir hinwollten“, erklärte Eifert. Er dankte für den Vertrauensbeweis und er hofft, „dass wir uns auf das konzentrieren, was unsere Aufgabe ist“.

Unwürdig Schlecht vorbereitet hatten die Kritiker des bisherigen Stadtbrandinspektors ihre Revolution, die mangels Qualifikation ihres Favoriten kläglich gescheitert ist. Jetzt wurde eine außerordentliche Jahreshauptversammlung der Feuerwehren nötig, um die Position des Stadtbrandinspektors erneut zu besetzen. Das Geschachere um die Position war unwürdig. Diejenigen, die offenbar glaubten, durch Oliver Jäger den in langer verantwortlicher Dienstzeit bewährten und kompetenten Hans-Jürgen Schütz ersetzen zu müssen, waren sich offenbar der Tragweite ihrer Entscheidung nicht bewusst als sie ihn zur Kandidatur animierten. Sie haben leichtfertig in Kauf genommen, dass dieses wichtige Amt und sein erfolgreicher Inhaber beschädigt wurden. Unverständlich ist die erneute Kandidatur Oliver Jägers, der offenbar aus den von ihm ausgelösten Turbulenzen nichts gelernt hat. Bleibt zu hoffen, dass wieder  Vertrauen, Verantwortung und gegenseitiger Respekt den Alltag der Feuerwehrkameraden bestimmen, denn auf sie kann die Bevölkerung nicht verzichten.
 
v.li.n.re.: 1. Stadtrat Horst Hennenberg, Stadtverordnenvorsteher Lothar Pietsch, stellvertretender StBI Jürgen Eifert, der wiedergewählte Stadtbrandinspektor Hans-Jürgen Schütz und Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller

Text: Lauterbacher Anzeiger (A.Hahner)
Foto: Freiwillige Feuerwehr Lauterbach (A.Wahl)